Junges Schauspielhaus und Schule Rellinger Straße

Nicole Dietz, Theaterpädagogin des Jungen Schauspielhauses, lud Kathrin Dworatzek ein, mit der Lerngruppe „Waschbären“ (4./5./6.Klasse) einen kleinen Film zu machen. Grundlage war das Theaterstück „Tiere im Hotel“ (Junges Schauspielhaus). Entstanden ist „Tiere im Restaurant“.

Meist komme ich mit einem Thema, einer Vorgabe, einer Geschichte und lasse dann die Kinder in kleinen Gruppen sich dazu Szenen ausdenken. Oft sitzen wir zusammen und erfinden den Verlauf einer Geschichte. Die Waschbären waren ziemlich gut darin, in kurzer Zeit in ihren Gruppen Szenen zu entwickeln.

Wenn wir einen Film drehen, lasse ich die Kinder oft einfach spielen und improvisieren und schneide es dann zusammen, weil das spontane Spiel meist am besten ist und nicht die einstudierten Blicke und Sätze. Manchmal ist es für die Kids etwas abstrakt sich vorzustellen, wie Film funktioniert … anders als das zeitkontinuierliche Theater. Auch, was Blicke, Einstellungen, Bewegungen angeht, muss man sie führen und gleichzeitig locker machen, weil sie sonst anfangen nachzudenken, was sie da tun, und dann ist es nicht mehr frei.

Immer wieder entstehen von den Kindern ausgedachte Szenen und Momente, die manchmal unwiederholbar gut scheinen, dann aber doch aufgrund der Reflexion der Kinder wiederholt werden können, nun aber jedes Mal anders, dennoch so schön und lebendig sind.

Dadurch, wie sie alles offen legen, Transparenz als den besten Schutz nutzen, stellt sich mir die Frage, wie kann man diese Offenheit noch mehr kultivieren.

Denn natürlich sind sie manchmal auch kopfgesteuert und abgetrennt von Körper und Gefühl, so dass ich und wir völlig gegen die Wand fahren. Ich beobachte, wie sie eine Spielsituation mit einer unhaltbaren Logik begegnen wollen, und gleichzeitig realisiere ich, dass sie einen klaren Rahmen, eine klare Logik brauchen, um sich wohl und sicher zu fühlen.

So ist der Theaterkurs – oder in diesem Fall das Filmprojekt – immer eine Möglichkeit, das Spiel mit Grenzen zu ermöglichen. Ich hoffe, die Kinder sehen dies und nutzen auch andere Künste, Sport oder andere Beschäftigungen als eine Chance, ein Ventil zur Öffnung der sozialen Persönlichkeit und Beziehungen und eine Leitung zum eigenen inneren Gefühl und Wertschätzung für das eigene Tun und das Tun anderer.

Ich hoffe auch, dass der Freizeitstress, den ich bei einigen Kindern beobachte, besser wird, ich finde es manchmal erstaunlich, wie überladen die Nachmittage der Kinder sind und Krokodilstränen kullern, weil sie vor lauter Kursen nicht für das Klaviervorspiel üben können. Ich rufe auf zur Langeweile 🙂

Die Autorin Dworatzek entwickelt seit 2011 Filme sowie zahlreiche Theaterstück, Performances u.a.m.

Foto: Christina Rodeck