Kampnagel & Klosterschule

Wir haben unsere Kompliz:innenschaft durch das TuSch-Labor intensiviert und erproben, wie wir noch mehr Vielfalt leben können. Auftakt war ein Kollegiumsausflug auf Kampnagel, um den Lernort Kampnagel kennenzulernen und gemeinsam ins Tanzen zu kommen. Im TUSCH-LABOR haben Schüler:innen und Lehrer:innen begonnen, sich einmal wöchentlich mit Anna und Musa von Kampnagel zu treffen, um über Formen der Demokratiebildung und Partizipation in den Dialog zu kommen (siehe Bericht unserer TuSch-Botschafterin Oliwia aus Jg. 10). Ein erstes wichtiges Thema, dem wir nachgehen, ist Leistungsdruck, woher er kommt, wer überhaupt was erwartet und wie wir ihn überwinden könnten. Die Schulleitung ist in Form zweier Chamäleons, Cassio und Cassiopeia im Raum anwesend. Es können Fragen an sie gestellt oder im Dialog ihre Rollen übernommen werden, indem jemand eines der Chamäleons in die Hand nimmt. Das Wunderbare ist, dass Cassio so schön glitzert und Cassiopeia in Resonanz mit der Körpertemperatur die Farbe wechseln und in die Zukunft schauen kann, wichtige Eigenschaften einer Schulleitung! Auf dem Bild seht ihr, wo und wie die beiden während der Woche zusammen mit dem Deutschen Schulpreis im Schulleitungsflur wohnen.

Am Baakenhafen erforscht das Geschichtsprofil Macht und Inszenierung“ Jg. 11 künstlerisch die postkoloniale Geschichte Hamburgs und erarbeitet zusammen mit Jens Dietrich, Dramaturg, Autor und Kurator für recherchebasierte, politisch engagierte Theaterformate, den Audiowalk “Hafenfronten”. Hierbei geht es um diverse Perspektiven auf den Ort, der als „Kolonialtor zur Welt“ von Januar 1904 – Mai 1906 zentraler Ort für die Soldatentransporte der Woermann-Linie nach Deutsch-Südwestafrika (Namibia) während des Kolonialkrieges und des Völkermordes an den Herero und Nana war und an dem Herr Kühne Hamburg eine neue Oper schenken möchte. Wer Einblicke in das Projekt „Hafenfronten“ gewinnen und dazu künstlerisch forschen möchte, kann dieses in Workshops am 2.5.2026 in der Stadtteilschule Bergedorf beim BundesKongress Schultheater.Baustelle tun. Schüler:innen haften für ihre Eltern! Anmeldung unter www.schul.theater.

Die Premiere des Audiowalks findet am Do., den 7.5.2026 um 19.00 zusammen mit einer Ausstellung der 9. Klasse der CampusSchule und Liz Rech statt, die um 17.00 ihr  „Missing Monument“ am Baakenhafen präsentiert. Dokumentarische Theater-Performances vor Ort und in der Klosterschule bis zu den Sommerferien und ein De-Ko-Koffer zu diesem Projekt sind in Planung.

(Tonio Kempf, TuSch-Koordination Klosterschule)

Zum TuSch-Labor

Jeden Montag in der Mittagspause sitzen wir zusammen. Manchmal sind wir müde vom Unterricht, manchmal gestresst und trotzdem kommen wir zusammen, weil das TUSCH-Labor für uns mehr ist als nur ein Treffen. Es ist ein Ort, an dem wir kurz aus dem Schulalltag aussteigen können und trotzdem genau darüber sprechen, über „Schule“. Hier reden wir darüber, wie Schule für uns wirklich ist und wie sie sein könnte. So wie wir sie jeden Tag erleben, zwischen Klausuren, Erwartungen und manchmal auch ziemlich viel Druck. Wir sprechen ehrlich darüber was sich gut anfühlt und was nicht. Oft geht es bei unseren Gesprächen um den Theaterunterricht. Wir reden darüber, was gut läuft, was uns Spaß macht und was uns hilft aus uns herauszukommen. Aber wir reden auch darüber, was fehlt, was uns frustriert und wo wir uns mehr trauen würden, wenn die Atmosphäre anders wäre. Eigentlich geht es dabei aber immer um mehr als nur um Theater. Es geht darum, wie wir uns in der Schule fühlen, ob wir gesehen werden, ob jemand uns zuhört, ob unsere Meinung überhaupt eine Rolle spielt. Denn genau das wünschen wir uns, dass wir ernst genommen werden. Dass unsere Ideen zählen. Dass Schule nicht nur ein Ort ist, an dem über uns entschieden wird, sondern mit uns. Wir verbringen so viel Zeit in der Schule und trotzdem wird oft über Strukturen, Regeln und Projekte entschieden, ohne uns wirklich zu fragen.

Im TUSCH-Labor versuchen wir, das umzudrehen. Hier sind wir diejenigen die erzählen, wie Schule sich anfühlt. Theater hilft uns dabei total. Im Theater darf man ausprobieren. Man darf Fehler machen, ohne dass sofort eine Note dranhängt. Man darf andere Rollen ausprobieren und sich selbst von einer Seite zeigen, die im normalen Unterricht vielleicht nie vorkommt. Genau das wünschen wir uns auch für die Schule, Räume, in denen wir ehrlich sein können, in denen wir unsere Meinung sagen dürfen, ohne Angst, ausgelacht oder direkt bewertet zu werden. Dass wir dabei Unterstützung vom Theater Kampnagel bekommen bedeutet uns viel. Nicht, weil uns Anna und Musa erklären, wie alles „richtig“ geht, sondern weil sie uns zuhören. Sie zeigen uns, dass unsere Stimmen wichtig sind und dass wir etwas verändern können auch wenn wir nur Schüler*innen sind und oft das Gefühl haben, sowieso niemand hört auf uns.

Im TUSCH-Labor geht es nicht darum, perfekte Antworten zu haben. Es geht darum, Fragen zu stellen. Gemeinsam überlegen wir dann, wie können wir unsere Schule zu einem Ort machen, an dem wir uns wohler fühlen? An dem wir nicht nur funktionieren, sondern auch wir selbst sein dürfen? An dem Kreativität nicht etwas ist, das immer richtig kommt, wenn Zeit übrig ist, sondern etwas, das ganz selbstverständlich dazugehört? Für uns ist das TUSCH-Labor, ein Raum in dem wir Verantwortung übernehmen für unsere Meinung für unsere Ideen, für das, was wir uns von Schule wünschen. Ein Raum, in dem wir einander zuhören. Ein Raum, in dem wir mutig sind. Vielleicht verändern wir nicht sofort alles. Aber trotzdem versuchen wir es Mitbestimmung zu schaffen und genau das geht montags um 11:30 Uhr in der Mittagspause.

(Oliwia Pietryszka Jg.10)